Süddeutsche Zeitung – December 14, 2015


Bildschirmfoto 2015-12-28 um 12.44.55 PM

In der Galerie Kampl werden neue Arbeiten der jungen Berliner Malerin Rebecca Raue gezeigt

(Auszug aus dem Artikel “Die Tor macht weit”)

Von Evelyn Vogel

Wer die Bilder der jungen Berliner Malerin Rebecca Raue anschaut, entdeckt alsbald ein wiederkehrendes Motiv, das wie kaum ein anderes das Schicksal von Flüchtlingen symbolisiert: das Schiff. Es sind nicht eindeutig hoffnungslos überfüllte, zum Kentern verurteilte Schlauchboote oder verrostete, sich selbst überlassene Seelenverkäufer. Eher wirken sie wie still dahintreibende oder lustig auf den Wellen tanzende kleine Bötchen, die Segel gesetzt haben und – vielleicht auf ihren Gott vertrauend – den Frieden und Freiheit verheißenden Gestaden entgegenstreben.

 

Eine ähnlich ambivalente Interpretation wie bei den Schiffen stellt sich auch bei den dargestellten Figuren und Häusern ein. Mal sind es einzelne Menschen, mal Menschengruppen, die wie verloren in weite Farbfelder eingekratzt scheinen und sich mal abweisend, mal begrüßend, gar beschützend gegenüberstehen. Und auch bei den Gebäuden variieren die Assoziationen zwischen “eine feste Burg”, die für Heimat und Geborgenheit steht, und temporärem Obdach, das jeden Moment von einem Sturm – der Entrüstung?, des Klimawandels? – davon gefegt werden kann.

Rebecca Raue hat bei Georg Baselitz und Rebecca Horn studiert und wird nun zum zweiten Mal in München bei Kampl ausgestellt. Ihre Motive thematisiert sie schon seit längerem in ihren Arbeiten. Die wie leichte grafische Einwürfe wirkenden Zeichnungen auf teils pastosen, teils sehr transparenten Farbaufträgen werden durch Schrifteinträge ergänzt. Sie führen die von den Bildwelten angedeuteten Inhalte fort, präzisieren sie mitunter. “Wege finden” – so auch der Titel der Ausstellung – lautet ein Einwurf. Veränderung der Gesellschaft, der Lauf der Zeit, die Welt im Wandel, Heimat und Liebe sind andere.

Schwergewichtige Themen also. Aber Rebecca Raue setzt sie mit großer zeichnerischer Leichtigkeit um und lässt den Betrachter voller Empathie diese Bildwelten durchwandern und erforschen.

Rebecca Raue: Wege finden, Galerie Kampl, Buttermelcherstraße 15, bis 30. Januar, Di-Sa 12-19